Was genau ist eigentlich eine Blockchain?

Die Blockchain ist in aller Munde und die Versuche, darauf eine Zukunftsvision zu skizzieren, häufen sich. Doch was genau ist eigentlich eine Blockchain? Marcel Hollerbach, CMO bei Productsup, erklärt die Technologie der Zukunft.

High Level kann man sich eine Blockchain wie ein Register vorstellen. Das Besondere an dem Register ist, dass es in einem Netzwerk einzelnen Teilnehmern zugeordnet ist. Jeder, der in das Register schreiben oder es lesen möchte, hat eine vollständige Kopie des Registers. Durch die Blockchain ist dementsprechend keine dritte Vertrauensperson (z.B. eine Bank, Notar oder ein Treuhänder) notwendig, um das Register zu verwalten und zu sichern, damit es nicht gefälscht wird. Wird dem Blockchain-Register ein neuer Eintrag hinzugefügt, wird dieser mit allen Teilnehmern der Blockchain geteilt, sodass jeder eine Kopie dieses Eintrags hat. Wäre das Blockchain-Register z. B. auf 100 Teilnehmer verteilt, und ein Teilnehmer würde nur in seiner Kopie einen Eintrag verändern, hätten immer noch 99 andere Teilnehmer die korrekte Version und die Kopie des Einzelnen würde als Fälschung sofort erkennbar.

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Folgendes Beispiel soll den Einsatz der Blockchain veranschaulichen: Wer ein Grundstück oder eine Immobilie kauft, muss heutzutage noch grundsätzlich einen Notar hinzuziehen, der den Transfer des Eigentums beglaubigt und sich das auch noch teuer bezahlen lässt. Für den Neu-Eigentümer doppelt bitter: Für die Anschaffung muss er ohnehin schon tief in die Tasche greifen. Das Geld für den Notar sieht er allerdings nie wieder. Die gute Nachricht: Durch die Blockchain wird der Einsatz des Notars in Zukunft prinzipiell unnötig, da sie Grundbücher grundsätzlich fälschungssicher macht: Grundschulden könnten – dank der Kontrolle durch die Blockchain – nicht ohne Weiteres gelöscht werden. Ein Grundstück ließe sich auf diese Weise auch keines Falls an mehrere Interessenten gleichzeitig verkaufen. Im Register der Blockchain wäre eindeutig einsichtig, wem das Grundstück gehört und ob, sowie durch wen, es belastet ist. Niemand – auch kein Notar – wäre in der Lage, die Eigentumssituation zugunsten einer Person unrechtmäßig zu manipulieren.

Eine Blockchain ist also immer dann sinnvoll, wenn die Teilnehmer einer Geschäftsbeziehung keinen Mittelsmann oder Intermediär einbeziehen möchten, sich aber auch nicht so recht über den Weg trauen. Jegliche Modifizierung oder Fälschung eines Registers wird sofort bei allen Parteien sichtbar.

Auch in anderen intransparenten Märkten, wie z.B. dem Handel mit Diamanten, kann eine Blockchain für ein lückenloses Register des Steins und seiner rechtmäßigen Eigentümer sorgen. Hierfür würde von dem Diamant mit Hilfe einer Spektralanalyse – jeder Diamant hat eine eigene Art Licht zu reflektieren – ein eindeutiger Fingerabdruck erstellt. Dieser Fingerabdruck würde auf der Blockchain hinterlegt. Möchte ein Käufer die Herkunft und Historie des Steins prüfen, kann er dann einfach eine erneute Analyse machen und im Blockchain-Register nach dem Fingerabdruck suchen.

Das Konzept der Blockchain ist sehr jung und wird derzeit in seinen Möglichkeiten sicherlich noch überschätzt. Das disruptive Potential der Blockchain der Zukunft ist aber unbestritten – und mit der Durchschlagskraft des Internets vergleichbar.

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